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Revenue Management im Hotel: Wer wählt den Kanal zum Preis?

Ein Revenue-Management-System setzt den Preis. Ob direkt oder über das Portal gebucht wird, entscheidet die Marge. Revenue und Marketing steuern dasselbe.

Holztresen an der Rezeption eines Alpenhotels mit Zimmerschlüsseln und einem aufgeschlagenen Buchungskalender aus Papier
KI-generiertes Bild

Dein Revenue-Management-System hat über Nacht Preise angepasst. Keiner dieser Preise weiß, über welchen Kanal er verkauft wird.

Der Preis stimmt, und die Buchung war trotzdem die schlechtere

Zwei Aussagen stehen in der Branche nebeneinander, und beide sind richtig. Die erste: Revenue-Management-Systeme, kurz RMS, übernehmen immer mehr. Hotel Inside schrieb am 7. September 2026, sie analysieren Nachfrage, erkennen Buchungsmuster und passen Preise automatisiert an. Die zweite steht im selben Text, weiter unten: „Eine zusätzliche Buchung ist nicht automatisch eine bessere, wenn dafür hohe Rabatte oder Vertriebskosten entstehen.“

Das passt nur zusammen, wenn man den Preis und den Weg dorthin getrennt betrachtet. Der Preis ist im System gut gerechnet. Der Weg, auf dem die Buchung ins Haus kommt, steht in keiner Forecast-Tabelle. Jean-Philippe Weisskopf von der EHL Hospitality Business School sagt es so: „Auslastung ist sichtbar, Profitabilität muss gesteuert werden.“ Entscheidend sei, welcher Deckungsbeitrag nach Vertrieb, Personal und Energie übrig bleibt.

Was ein RMS entscheidet und was nicht

Ein RMS ist eine Software, die aus Buchungsstand, Nachfrage und Mitbewerberpreisen einen Zimmerpreis pro Tag und Kategorie berechnet. Revenue Management ist größer als das: Pricing, Buchungsfenster, Aufenthaltsdauer, Zimmerkategorien, Segmente, Promotionen und Vertriebswege müssen zusammenpassen.

Kanalsteuerung ist der Teil, den ein System nicht für dich festlegt: Wie viele Zimmer sollen direkt verkauft werden, wie viele über Buchungsportale, wie viele an Firmenkunden, und zu welchem Preis je Weg? Das System rechnet mit den Regeln, die jemand hinterlegt hat. Die Regel „Direktbuchung darf günstiger sein als das Portal“ hinterlegt niemand von allein. Dasselbe gilt für eine KI, die Preise vorschlägt: Sie optimiert das Ziel, das du ihr gibst, und ein Ziel wie „maximaler Erlös je Zimmer“ enthält keine Provision.

Warum die Kanalfrage in den Alpen zählt

Die Distributionsstudie 2026 von HOTREC, dem Dachverband des europäischen Gastgewerbes, liefert drei Befunde, die zusammengehören. Die Direktbuchungen sind bei kleinen, unabhängigen Hotels in ländlichen und alpinen Destinationen am stärksten; europaweit liegen sie bei 51,3 Prozent der Übernachtungen. Gleichzeitig ist Booking.com genau bei kleinen unabhängigen Häusern und Urlaubshotels besonders stark: Booking Holdings hält laut Befragung in Deutschland 70,5 Prozent der Portalbuchungen, in Österreich 73,9 Prozent. Und 51 Prozent der befragten Hotels geben an, dass Portale ihre Raten zumindest gelegentlich unterbieten. Die meisten betroffenen Häuser melden, das geschehe ohne ihre ausdrückliche Zustimmung.

Konkret: Dein RMS setzt einen Preis. Ein Portal verkauft dasselbe Zimmer mit einem Teil seiner Provision als Rabatt darunter. Die Studie nennt das „commission-funded price undercutting“, und es trifft laut Studie besonders Häuser mit hohem Portalanteil. Dein Preis wird dann von einem Dritten neu gesetzt, und dein System sieht davon nur die Buchung.

Die Studie liefert noch einen Befund, der zur KI-Debatte passt: Nur 26 Prozent der Hotels nutzen derzeit KI; die meisten haben noch nicht angefangen. Wer technisch am weitesten ist, bei Channel Manager, Preisvergleichsportalen und KI, ist laut HOTREC zugleich stärker Stornierungen, Preisunterbietung und plattformgetriebener Preiskomplexität ausgesetzt. Mehr Automatisierung im Preis macht die Kanalfrage also nicht kleiner. Sie macht sie dringender, weil der Preis schneller wechselt, als jemand im Haus nachsieht, wo er verkauft wird.

Die Rechnung, die kein RMS aufstellt

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, keine Kundenzahl: Ein Zimmer kostet auf dem Portal 100 Euro. Bei angenommenen 15 Prozent Provision bleiben 85 Euro. Bietest du dasselbe Zimmer auf deiner eigenen Website 8 Prozent günstiger an, also für 92 Euro, und kostet dich die Direktbuchung angenommene 4 Prozent, das sind 3,68 Euro, bleiben 88,32 Euro. Der Gast zahlt weniger, und das Haus behält 3,32 Euro mehr.

Rechenbeispiel: Nettoertrag einer Portalbuchung gegen eine Direktbuchung zum günstigeren Preis
PositionBetrag
Zimmerpreis auf dem Portal 100 €
Provision (angenommen 15 %) −15 €
Nettoertrag Portalbuchung 85 €
Direktpreis (8 % günstiger) 92 €
Kosten Direktbuchung (angenommen 4 %) −3,68 €
Nettoertrag Direktbuchung 88,32 €
Mehr Nettoertrag direkt 3,32 €
Die Prozentsätze sind angenommen. Die Logik gilt für jedes Haus, das seine echten Werte einsetzt.

Ein System, das nur den Zimmerpreis optimiert, sieht hier zwei Buchungen mit 100 und 92 Euro und hält die erste für die bessere. Erst der Nettoertrag zeigt das Gegenteil. Wie die Provision eines Hauses im Jahr zusammenkommt, rechnest du in diesem Beitrag durch.

Wer im Haus die Kanalfrage besitzt

In vielen Häusern niemand. Der Revenue Manager optimiert den Erlös je Zimmer; das Marketing zählt Klicks und Anfragen. Der Nettoertrag je Kanal gehört zu keiner der beiden Stellen, und genau dort fällt die Marge durch. Das gilt auch, wenn das Haus keinen eigenen Revenue Manager hat: Laut Hotel Inside ist eine Vollzeitstelle für kleinere und mittlere Hotels oft weder notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll. Dann trifft die Kanalentscheidung der Inhaber oder die Geschäftsführung.

Das ändert sich mit vier Schritten, die du in einer Woche schaffst:

  • Rechne den Nettoertrag je Kanal aus, für das letzte Jahr: Zimmerumsatz abzüglich Provision, Zahlungsgebühren und Werbekosten, getrennt nach Direktbuchung, Portal und Firmenkunden.
  • Prüfe drei Stichtage: Vergleiche deinen Website-Preis mit dem Portalpreis für dieselbe Nacht und Kategorie. Notiere, wie oft das Portal darunter liegt.
  • Lege eine Direktpreis-Regel fest: Darf die Direktrate unter der Portalrate liegen, und um wie viel? Der EuGH hat am 19. September 2024 in der Rechtssache C-264/23 entschieden, dass grundsätzlich alle Arten von Bestpreisklauseln dem Kartellverbot unterfallen. Was in deinem Vertrag steht, klärt ein Anwalt.
  • Setze eine Kennzahl und einen Termin: Revenue und Marketing schauen monatlich auf dieselbe Seite: Nettoertrag je Kanal. Wie du den Direktanteil dann anhebst, steht in den fünf Hebeln für Direktbuchungen.

Warum die Preisschraube allein nicht reicht, steht im Beitrag über den Betreibermarkt.

Das System rechnet den Preis, die Provision zahlst du

Ein RMS rechnet schneller als jede Excel-Tabelle, aber es rechnet mit dem, was du ihm sagst. Wer ihm nur Auslastung und Durchschnittspreis vorgibt, bekommt Auslastung und Durchschnittspreis. Die Provision steht am Monatsende auf der Rechnung, nicht im Dashboard.

Wenn du die Kanalrechnung für dein Haus nebeneinanderlegen willst, melde dich.

Häufige Fragen

Braucht ein Hotel 2026 noch einen Revenue Manager, wenn ein RMS die Preise setzt?

Ja, aber die Aufgabe verschiebt sich. Laut Hotel Inside berechnet das System den Preis; die Strategie dahinter bleibt Sache des Menschen. Für kleinere Häuser ist eine Vollzeitstelle oft nicht nötig; die strategische Betreuung kann extern oder als Coaching laufen.

Was ist der Unterschied zwischen Revenue Management und Kanalsteuerung?

Revenue Management legt fest, zu welchem Preis ein Zimmer an einem Tag verkauft wird. Kanalsteuerung legt fest, über welchen Weg es verkauft wird, also direkt, über ein Buchungsportal oder an Firmenkunden. Dieselbe Rate bringt je nach Kanal einen anderen Nettoertrag.

Woran merke ich, dass ein Buchungsportal meinen Preis unterbietet?

Vergleiche an drei Stichtagen deinen Preis auf deiner Website mit dem Preis für dieselbe Nacht und dieselbe Zimmerkategorie auf dem Portal. Liegt das Portal dauerhaft darunter, gibt es einen Teil seiner Provision als Rabatt weiter. Das betrifft laut HOTREC 51 Prozent der befragten Hotels.

Was bedeutet Nettoertrag je Kanal?

Der Nettoertrag je Kanal ist der Zimmerpreis abzüglich aller Kosten, die in diesem Kanal anfallen, also Provision, Zahlungsgebühren und Werbekosten. Erst diese Zahl zeigt, welche Buchung das Haus tatsächlich besser stellt.

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