Die Diskussion, die an der Rezeption landet
Der Dehoga Thüringen beschreibt die Szene selbst. Würde der Kurbeitrag auf Geschäftsreisende ausgeweitet, so sein Präsident Mark Kühnelt laut dpa, würden „die Diskussionen dann in unserer Branche an den Hotelrezeptionen geführt“. Die Mitarbeitenden würden „etwas rechtfertigen müssen, was im Ansatz nicht darstellbar ist und einzig zur Geldbeschaffung der Kommunen dient“.
Ausgelöst hat das der Thüringer Heilbäderverband. Sein Präsident Matthias Strejc will, dass auch Geschäftsreisende zahlen, „denn auch sie nutzen Kurparks, Thermen oder kulturelle Veranstaltungen“. Die drei Industrie- und Handelskammern des Landes widersprechen: Geschäftsreisende kämen nicht wegen der Thermen. Bislang sieht das Landesgesetz laut Verband Ausnahmen für sie vor. Die Meldung erschien am 23.09.2026, Tophotel berichtete am 25.09.
Das ist ein Thüringer Streit, in dem es um die 17 Orte des Heilbäderverbands geht, kein bundesweiter Trend. Interessant ist, worüber alle Beteiligten einig sind: Der Geschäftsreisende ist ein eigener Fall. Die einen sagen, er verhalte sich wie ein Urlauber. Die anderen sagen, er verhalte sich anders. Beide diskutieren ihn als Gast. Für dein Haus ist das die falsche Frage.
Der Gast schläft bei dir, die Firma entscheidet
Geschäftsreisende sind Gäste, deren Aufenthalt ein Unternehmen veranlasst, bezahlt und über eine Reiserichtlinie steuert. Das macht sie im Hotelmarketing zu einem eigenen Segment. Tagungen und Kongresse sind die Gruppenvariante davon, der Monteur oder die Vertriebsleiterin mit zwei Kundenterminen die Einzelvariante.
Der Unterschied liegt im Buchungsweg, nicht im Verhalten am Abend. Ein Urlauber sucht, vergleicht und bucht selbst. Bei der Firma sucht oft eine Assistenz oder ein Reisemanagement, eine Richtlinie begrenzt die Auswahl, und am Ende steht eine Rechnung, die in die Buchhaltung geht.
Urlaubsgast
- Der Gast sucht selbst und vergleicht Häuser.
- Er bucht und bezahlt aus eigener Tasche.
- Du kommunizierst mit dem Gast.
Geschäftsreisender
- Die Firma gibt über ihre Reiserichtlinie vor, was infrage kommt.
- Assistenz oder Reisemanagement bucht, die Firma bezahlt per Rechnung.
- Du kommunizierst mit zwei Parteien: dem Gast und dem Auftraggeber.
Der Markt dahinter ist groß. Laut VDR-Geschäftsreiseanalyse 2026 gab es 2025 in Deutschland 116,1 Millionen Geschäftsreisen, 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr, trotz zweier Rezessionsjahre. Mehr als drei Viertel entfallen auf Firmen mit 10 bis 500 Beschäftigten, also genau den Mittelstand, den auch ein Haus im Inntal oder am Achensee in der Nachbarschaft hat. Die Kostenanteile für Hotel und Verpflegung steigen laut VDR spürbar. Der Verband sieht zugleich Handlungsbedarf, weil die seit 2020 unveränderten Pauschalen die realen Kosten nicht mehr decken. Die Zahlen stammen aus 800 Telefoninterviews mit Personen, die Geschäftsreisen managen oder die Daten dazu liefern können, und gelten für Deutschland insgesamt, nicht für deine Region.
Warum das für Häuser in Tirol und Bayern zählt
Ein Ferienhotel im Alpenraum rechnet Geschäftsreisende leicht dem Zufall zu. Dabei liegen die Firmen vor der Tür. Betriebe aus der Umgebung schicken Kunden, Monteure und Referenten zu ihren Standorten, und die brauchen unter der Woche ein Zimmer, also in der Zeit, in der Freizeitgäste oft fehlen. Der Dehoga-Einwand aus Thüringen, ein Aufschlag verteuere die Übernachtung, trifft dieses Segment besonders: Wer nach Reiserichtlinie bucht, hat meist eine Preisgrenze. Wer darüber liegt, wird nicht verhandelt, sondern fällt aus der Auswahl.
Das gilt unabhängig davon, wie die Kurtaxe-Frage ausgeht. Auch deshalb ist es sinnvoll, die Strecke jetzt zu bauen und nicht erst, wenn eine Satzung dich dazu zwingt.
Was ein eigenes Segment im Haus konkret ändert
Ein Segment ist erst eins, wenn es eine eigene Strecke hat. Läuft der Geschäftsreisende durch denselben Prozess wie der Wochenendgast, fällt er erst auf, wenn er nach einer Rechnung fragt. Fünf Dinge, die du ändern kannst:
- Eigener Einstieg. Eine Seite, die Geschäftsreisende direkt anspricht: Anreise, Ankunft spät am Abend, Arbeitsplatz, Frühstück vor sieben. Ohne Wellness-Bildwelt und Wochenendpaket.
- Rechnung schon bei der Buchung klären. Firmenname, Rechnungsadresse und eine Referenz der Firma gehören ins Buchungsformular, nicht in eine Mail nach der Abreise.
- Antwort in Stunden. Wie schnell Firmen eine Antwort erwarten, zeigt das Tagungsgeschäft: Warum dein Tagungsraum in der Nebensaison leer bleibt nennt die Zahlen dazu.
- Ein Paket aus dem, was die Firma braucht. Flexible Stornierung, früher Check-in, ruhiges Zimmer, schnelles WLAN, Rechnung auf einen Blick. Ein Rabatt gehört nicht dazu.
- Ansprechpartner statt Gast. Die Firmenrate ist ein Gespräch mit dem Reisemanagement oder der Assistenz, nicht ein Prozentwert im Buchungsportal. Dafür hilft ein kurzer Anruf bei den fünf Firmen aus der Umgebung, die ohnehin Besuch bekommen.
Dieselbe Logik bei Gruppen steht in Warum das individuelle MICE-Angebot dich Buchungen kostet. Was Planer vor der Anfrage vergleichen, beschreibt Tagungsplaner vergleichen, bevor sie bei dir anfragen.
Fang mit dem Messen an. Markiere im Buchungssystem, welche Reservierungen von Firmen kommen, und schau dir an, wie viele Nächte das im Jahr sind. Die Zahl entscheidet, wie viel Aufwand das Segment bei dir verdient.
Die Kommune rechnet den Gast ab, du verkaufst an die Firma
Beim Kurbeitrag wird es noch Streit geben, in Thüringen und anderswo. Für dein Haus ist er ein Hinweis, nicht die Aufgabe. Der Gast, über den Verband und Kammern streiten, ist für dich ein Mitarbeiter eines Kunden. Der Kunde ist die Firma, und sie kauft nach anderen Regeln als ein Paar, das ein Wochenende plant.
Wenn du dafür eine eigene Strecke aufbauen willst, schreib mir über die Kontaktseite. Wir schauen uns an, wie viele deiner Nächte heute schon von Firmen kommen und wo sie dein Haus verlieren.