Die organische Sichtbarkeit der größten deutschen Onlineshops ist im Median um 16,7 Prozent gefallen. Das ist der erste echte Einbruch nach Jahren des Wachstums. Und trotzdem zeigen bei Kaufsuchen nur 0,2 Prozent der Treffer eine KI-Antwort. Beide Zahlen stammen aus derselben Studie, und sie widersprechen sich nur scheinbar.
16,7 Prozent weniger, und an der Kasse ändert sich nichts
SISTRIX hat gemeinsam mit LEAP 2.496 der umsatzstärksten deutschen Onlineshops ausgewertet. Die mediane organische Sichtbarkeit fällt im Jahresvergleich um 16,7 Prozent. Der Anteil der Suchen, bei denen Google eine KI-Antwort ausspielt, steigt von 4,3 auf 14,2 Prozent, aus jeder zwanzigsten Suche wird jede siebte. Der Anteil des organischen Traffics am Gesamttraffic sinkt von 42,5 auf 33,3 Prozent.
Der Bruch liegt in der Aufteilung nach Suchabsicht. Bei informationalen Suchen, also Recherche, lösen 69,7 Prozent eine KI-Antwort aus. Bei transaktionalen Suchen mit Kaufabsicht sind es 0,2 Prozent. Die Studienseite von LEAP nennt dieselbe Stichprobe und die Datenquellen SISTRIX, SimilarWeb und BuiltWith.
- Informationale Suchen mit KI-Antwort
- 69,7 %
- Transaktionale Suchen mit KI-Antwort
- 0,2 %
Das heißt: Die KI-Antwort sitzt in der Recherchephase. Dort, wo jemand erst herausfindet, was er will, nicht dort, wo er bucht.
Die Bruchlinie verläuft mitten durch deine Website
Eine Hotelseite besteht aus zwei Arten von Seiten. Die einen helfen beim Entscheiden: Anreise, Wandern im Herbst, welches Zimmer für Familien taugt, was ein Tagungspaket enthält. Die anderen sind buchbar: Zimmerkategorie mit Preis und Verfügbarkeit, Anfrageformular, Angebotsseite.
Die Studie kennt keine Hotels. Sie sagt nichts darüber, wie viel Sichtbarkeit Hotelseiten verlieren. Was sie liefert, ist die Logik: KI-Antworten setzen dort an, wo ein Gast Information sucht, und kaum dort, wo er schon kaufen will. Übertragen auf ein Haus heißt das, dass ich den Effekt zuerst bei den entscheidungsnahen Informationsseiten erwarte und bei der Buchungsseite zuletzt. Das ist eine Herleitung. Sie bleibt eine, bis deine Daten sie bestätigen.
AI Overviews: die Antwort steht über dem Treffer
AI Overviews sind KI-generierte Zusammenfassungen, die Google über den klassischen Suchtreffern anzeigt. Sie beantworten eine Frage in wenigen Sätzen und verlinken darunter Quellen. Für Hotels ist das relevant, weil der Gast die Antwort bekommt, ohne eine Seite zu öffnen. Der Klick entfällt, die Entscheidung fällt trotzdem. Die Frage, ob dein Haus in solchen Antworten vorkommt, heißt KI-Sichtbarkeit, auch GEO genannt (Generative Engine Optimization). Die Zahlenlage zu KI-Traffic haben wir in GEO-Traffic: was die 303-Prozent-Zahl wirklich bedeutet an der Quelle geprüft. Dort wächst der Kanal. Hier schrumpft der alte.
Wer vorn steht, wird zitiert, wer hinten steht, nicht
Die Studie liefert einen zweiten Befund, der für kleine Häuser unbequem ist. Das oberste Fünftel der Shops nach Sichtbarkeit vereint rund 72 Prozent aller KI-Zitierungen, das unterste Fünftel etwa ein Prozent. Die Rangkorrelation zwischen Sichtbarkeit und KI-Nennung liegt bei 0,66. Und selbst wenn eine Domain passt, taucht sie nur in 9,3 Prozent der informationalen Fälle in der Antwort auf. Die Domain-Quote als Quelle stieg von 2,3 auf 5,3 Prozent. Die Lücke zwischen Betroffenheit und eigener Nennung wächst also.
Google selbst widerspricht dem nicht. In der Dokumentation zu KI-Funktionen steht: „There are no additional requirements to appear in AI Overviews or AI Mode, nor other special optimizations necessary.” Die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung gelten weiter. Wer organisch schwach ist, wird dadurch nicht zitierfähig. Die Einschätzung, dass klassisches Fundament allein nur halb reicht, steht in Google sagt: SEO reicht. Für Hotels stimmt das nur halb.
20 Minuten Search Console, bevor du irgendetwas änderst
Bevor du Inhalte umbaust, miss, ob es dich trifft. Du brauchst nur die Search Console deiner Domain.
- Öffne den Bericht „Leistung“ und vergleiche die letzten 90 Tage mit demselben Zeitraum im Vorjahr.
- Filtere die Seiten nach Gruppen: Informationsseiten (Region, Anreise, Ratgeber) getrennt von buchbaren Seiten (Zimmer, Angebote, Anfrage).
- Lies je Gruppe Impressionen und Klicks nebeneinander. Fallen die Klicks, während die Impressionen stehen, nimmt dir etwas den Klick vor dem Treffer weg.
- Notiere die drei Informationsseiten mit dem größten Klickverlust. Prüfe bei Google, ob dort eine KI-Antwort über dir steht und ob dein Haus darin genannt wird.
Was der KI-Bericht der Search Console misst und was nicht, steht in Was Googles KI-Bericht über GEO beweist — und was nicht. Für diese Prüfung brauchst du ihn nicht, der normale Leistungsbericht genügt.
Zeigt sich der Verlust nur bei den Informationsseiten und nicht bei den buchbaren, passt das zur Studienlogik. Dann lohnt es sich, diese Seiten so zu schreiben, dass sie zitiert werden: klare Fakten, eine direkte Antwort in den ersten Sätzen, Preise und Zeiten, die du auch gegenüber dem Buchungsportal bestätigen kannst. Zeigt sich nichts, hast du 20 Minuten gespart, die du sonst in Panik investiert hättest.
Wer vorher nicht gefunden wird, wird nachher nicht gebucht
Die Buchungsseite ist nicht das Problem. Sie bleibt klassische Suche, und dort entscheidet weiter, wer gefunden wird. Das Problem liegt eine Station davor, bei den Seiten, die den Gast überhaupt erst auf dein Haus bringen. Verlierst du dort die Sichtbarkeit, hast du später weniger Gäste in der Buchungsstrecke, auch wenn die Strecke selbst nichts verliert. Du merkst es dann an der Auslastung, nicht am Bericht. Deshalb gehört die Trennung nach Seitenarten in deine Messung, bevor jemand den Zimmerseiten die Schuld gibt.
Wenn du wissen willst, wo dein Haus in dieser Aufteilung steht, schau dir die Hotelmarketing-Arbeit für Tirol an oder schreib mir.