Google hat im Mai einen Leitfaden veröffentlicht, in dem ein Satz steht, den viele Hoteliers aufatmend gelesen haben: Aus Sicht der Google-Suche ist die Optimierung für generative KI-Suche „still SEO“. Im September legte John Mueller laut t3n nach: Es gebe nichts Besonderes, was man tun könne, um in den KI-Antworten von Google aufzutauchen. GEO, also Generative Engine Optimization oder auf Deutsch die Arbeit daran, in KI-Antworten vorzukommen, ist demnach kein eigenes Fach: Schon im Juni hatte Googles Brendon Kraham gesagt, gutes SEO sei gleichbedeutend mit gutem GEO.
Ich halte das für richtig. Und für gefährlich, wenn du daraus ableitest, dein Hotel sei damit erledigt.
Google sagt „Website“, die Zitate sagen „Portal“
Zwei Aussagen, die nebeneinander nicht passen. Google: Gutes SEO trägt dich in die KI-Antwort. Eine Auswertung aus Österreich: Bei 45 Hotel- und Unterkunftsfragen entfielen im August 37,6 Prozent der Zitate auf Portale, 28,7 Prozent auf Betriebswebsites und 3,4 Prozent auf Googles Ortseinträge. Die Grundlage sind 154 deutschsprachige Gästefragen, die seit April täglich an die großen KI-Suchsysteme gehen, zuletzt sechs. Über fünf Monate kamen 1.140.482 Zitate zusammen.
Nur gut jedes vierte Zitat kommt also von einer Hotelseite. Der Rest kommt von anderswo.
Der Widerspruch löst sich, wenn du liest, was Google genau sagt. Der Leitfaden beschreibt Googles eigene Funktionen und deine Website. Er sagt nicht, dass die Antwort über dein Haus nur aus deiner Website entsteht. Im selben Dokument steht sogar, dass Googles KI-Funktionen zeigen können, was im Netz über Produkte und Dienstleistungen gesagt wird, in Blogs, Videos und Foren, und dass Merchant Center und Google-Unternehmensprofile die Sichtbarkeit in KI-Antworten stützen. Die Schlagzeile lässt genau diese Hälfte weg.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Zahlen stammen aus Österreich und mischen mehrere Systeme. Wie sich ChatGPT, Perplexity und Googles AI Mode einzeln verhalten, ist verschieden. Die Richtung ist trotzdem eindeutig.
GEO für Hotels: die Arbeit an den Quellen hinter der Antwort
Damit der Begriff für sich lesbar bleibt: GEO für Hotels heißt, die Quellen zu pflegen, aus denen eine KI ihre Antwort über ein Haus zusammensetzt. Dazu zählen die eigene Website, die Einträge auf Buchungs- und Bewertungsportalen, das Google-Profil bei Maps, Destinationsseiten und die Listen, in denen dein Haus vorkommt. SEO ist der Teil davon, der die eigene Domain betrifft.
Dieser Teil ist Pflicht. Ohne eine Website, die Google versteht und indexiert, rankt nichts, und Googles KI zieht ihre Inhalte aus genau diesem Index. Das ist meine Kernthese seit Monaten: Gutes SEO ist die Voraussetzung, nicht ihr Gegner. Aber eine Voraussetzung ist noch keine Antwort.
Warum das bei Hotels härter zuschlägt als bei einem Onlineshop
Ein Shop kontrolliert seine Produktseiten. Ein Hotel verkauft ein Erlebnis, über das andere schreiben: Gäste, Portale, Destinationen. Die Auswertung zeigt, wie sich das in den Zitaten niederschlägt. Bei den großen Portalen führen 67,3 Prozent der Zitate auf Sammel- und Listenseiten, nur 13,7 Prozent auf die Seite eines einzelnen Betriebs. Ob du in der Antwort auftauchst, hängt dann auch davon ab, ob du in der richtigen Liste stehst und ob dein Eintrag dort stimmt.
Dazu kommt ein Größenvorteil. Die Studie von maxonline zur KI-Sichtbarkeit von 515 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Juli 2026, Semrush-Daten, Fragen ohne Markennamen) kommt für Einzelhotels auf durchschnittlich 11,2 von 100 Punkten. Ketten und Mehrhaus-Domains liegen bei 36,2, also 3,2-mal so hoch. 28 Häuser kamen in keiner einzigen Empfehlung vor.
- Einzelhotels
- 11,2 Punkte
- Ketten und Mehrhaus-Domains
- 36,2 Punkte
Warum Ketten vorn liegen, hat die Studie nicht gemessen. Ich wette auf die Quellenlage: Über sie schreiben mehr Portale, mehr Gäste, mehr Destinationen. Das gleicht ein unabhängiges Haus nicht mit besseren Meta-Beschreibungen aus.
Fünf Fragen, vier Quellen, ein Nachmittag
Damit aus dem Befund eine Liste wird und keine Verunsicherung:
- Fünf Gästefragen formulieren, ohne deinen Hotelnamen. Etwa: „Welches Hotel am Achensee eignet sich für ein Wochenende mit zwei kleinen Kindern?“ Nimm Fragen, die ein Gast wirklich stellen würde, nicht Keywords.
- Jede Frage an drei Systeme stellen: ChatGPT, Perplexity und den AI Mode in Google. Plane etwa zehn Minuten je System.
- Zwei Dinge notieren: Kommst du vor? Und welche Quellen stehen unter der Antwort? Die zweite Spalte ist die wichtigere.
- Die vier Quellen gegeneinander legen: Stimmen Google-Profil und Website bei Zimmerzahl, Ausstattung und Öffnungszeiten überein? Ist dein Portaleintrag aktuell? Steht dein Haus auf der Destinationsseite und in den regionalen Listen? Was sagen die letzten zehn Bewertungen über das, wonach gefragt wurde?
- Die größte Abweichung zuerst beheben. Oft ist es ein veralteter Eintrag, kein Großprojekt. Für das Thema Bewertungen habe ich hier aufgeschrieben, warum sie so viel Gewicht haben.
Das ist eine Stichprobe, kein Messwert. Was du damit bekommst, ist eine Landkarte deiner Quellen. Messen, was davon in der Search Console ankommt, geht ohnehin nur für den Google-Teil, wie ich im Beitrag zum KI-Bericht gezeigt habe.
Was an Googles Satz stimmt, und was du daraus nicht machen solltest
Stimmt: Du brauchst keine llms.txt für Google. Der Leitfaden sagt ausdrücklich, dass du Tricks wie zerstückelte Inhalte, unnötige KI-Textdateien oder unechte Erwähnungen ignorieren kannst. Inhalte, die nur wiederholen, was alle schreiben, helfen nicht. Substanz, die nur dein Haus liefern kann, zählt mehr als jede Formatierung.
Stimmt nicht: dass sich damit die Arbeit an den Quellen außerhalb deiner Domain erübrigt. Google beschreibt die eigene Suche. Gäste fragen aber auch andere Systeme, und die ziehen aus anderen Töpfen. Nach der Auswertung kommen 63,8 Prozent der im August zitierten Domains nur in einem einzigen System vor.
Die Antwort über dein Haus schreibt auch, wer nie bei dir war
Das ist der Teil, der Hoteliers unangenehm ist. Du kannst deine Website perfekt pflegen, und die KI beschreibt dich trotzdem mit dem Satz eines Gastes von 2023, dem Zimmerfoto eines Portals und einer Zimmerzahl, die seit dem Umbau nicht mehr stimmt.
Gutes SEO ersetzt GEO nicht. Es trägt sie. Wer beides trennt, arbeitet an der Hälfte der Antwort. Wenn du wissen willst, welche Quellen bei deinem Haus gerade die Lücke reißen, schau ich mir das mit dir an, bevor du Geld in ein weiteres Werkzeug steckst.