Ich habe am 11. September ein Google-Ads-Konto für ein Hotel aufgeräumt. Die Kampagnen waren geprüft, die Gebote stimmten, der Rest war Handarbeit. Am Ende öffne ich die Kontoeinstellungen, Bereich Auto-Apply, und sehe vier aktive Häkchen. Ich habe keines davon gesetzt.
Das Konto hatte neun Empfehlungs-Abos. Vier standen auf aktiv, fünf auf pausiert. Der Rest dieses Artikels ist die Anleitung, wie du das in deinem eigenen Konto in zehn Minuten nachsiehst.
Vier Häkchen, die niemand gesetzt hat
Zuerst der Mechanismus. Google beschreibt ihn selbst: Schaltest du „Empfehlungen automatisch anwenden” ein, werden die Empfehlungen regelmäßig angewendet. Dazu gehören laut derselben Seite unter anderem „Add store visits as an account default goal”, „Use targeting expansion”, „Use Display expansion” und „Add broad match keywords”. Das ist keine Spielerei am Rand. Das sind Eingriffe in Ziel, Zielgruppe und Suchbegriffe.
In dem Konto lief davon Folgendes: Anzeigenrotation, Buchungsmessung optimieren, optimiertes Targeting und Ladenbesuche als Standardzielvorhaben.
Die letzte ist die gefährlichste, und zwar speziell für ein Hotel. Ein Ladenbesuch ist bei einem Geschäft mit Ladenlokal ein Ziel. Beim Hotel ist der Gast, der vor Ort ankommt, die Buchung, die du längst über deine Buchungsstrecke misst. Das Konto hätte auf ein Ziel gelernt, das dieselbe Buchung ein zweites Mal zählt.
Und es blieb nicht bei diesen vieren. Bei der Durchsicht lagen 17 offene Empfehlungen im Konto. Vier davon hätten dem Konto geschadet, wären sie automatisch gelaufen: weit gefasste Keywords (Broad Match), die Ausweitung auf das Display-Netzwerk, der Wechsel auf die Gebotsstrategie „Conversions maximieren” bei einer Kampagne ohne eine einzige gemessene Buchung, und eine Budgeterhöhung. Das Abo für den Strategiewechsel stand immerhin auf pausiert. Die vier aktiven liefen dagegen weiter.
Was die Schnittstelle nicht benennen kann
Wer Konten per Schnittstelle prüft, hat einen Grund mehr für Unruhe. Die Google-Ads-Dokumentation sagt es offen: Die Auto-Apply-Einstellung wird nicht für alle Empfehlungstypen unterstützt. In der Praxis sah das so aus: Von den vier aktiven Abos meldete die API (die technische Schnittstelle, über die Werkzeuge auf das Konto zugreifen) genau eines mit Klartext-Typ, die Anzeigenrotation. Drei kamen als UNKNOWN, auch im Ressourcennamen.
Was heißt das für dich? Ein Werkzeug, das dir „alles in Ordnung” meldet, weil es die Typen nicht lesen kann, meldet nichts. Den Zustand siehst du, den Inhalt nicht. Welche Automatik in deinem Konto läuft, beantwortet nur die Oberfläche.
Deshalb meine Regel für jedes Konto, egal ob eigenes oder das eines Kunden: Was du nicht benennen kannst, lässt du nicht automatisch übernehmen. Das gilt für Google, für jede Agentur und für jedes Werkzeug mit einem Automatik-Schalter. Wer den Namen nicht kennt, kann die Folge nicht abschätzen.
Abwählen ist nicht abgewählt
Der zweite Fund hat mich mehr geärgert als der erste. Ich habe die drei Abos abgehakt. Danach habe ich per Schnittstelle nachgemessen, dreimal über 60 Sekunden. Jedes Mal: vier aktiv. Nichts hatte sich geändert.
Der Grund: Für jedes Paket und jede Empfehlung ist ein eigener Klick auf Speichern nötig. Das steht in Googles Anleitung, im Dialog fällt es nicht auf. Erst nach dem Speichern zeigte die Messung ein aktives Abo statt vier, acht pausierte statt fünf.
Hätte ich der Oberfläche geglaubt statt der Messung, stünde in der Akte „erledigt”, und drei Automatiken liefen weiter. Wer in einem Konto einmal abhakt und weiterklickt, hat dasselbe Risiko.
Der Zehn-Minuten-Check für dein Konto
Das ist die Anleitung, ohne Werkzeug, nur mit der Oberfläche:
- Liste öffnen. Admin, Kontoeinstellungen, Bereich Auto-Apply aufklappen. Notiere, was aktiv ist. Zähle die Häkchen, bevor du etwas änderst.
- Jedes Abo benennen. Kannst du in einem Satz sagen, was es im Konto ändert und wer bei einer Fehlentscheidung den Schaden hat? Wenn nicht, fliegt es raus.
- Nach Betroffenheit sortieren. Messung, Ziele, Zielgruppe und Gebotsstrategie gehören dir. Eine Anzeigenrotation greift in keines davon ein. Sie durfte bei mir deshalb bewusst an bleiben.
- Abwählen und speichern. Auto-Apply-Einstellungen öffnen, Häkchen entfernen, für jedes Paket Speichern klicken.
- Gegenprobe. Einstellungen neu laden und die Häkchen zählen. Erst wenn die Zahl kleiner ist als vorher, ist es erledigt.
- Verlauf ansehen. Im Reiter Verlauf steht laut Google, wie oft eine Empfehlung angewendet wurde und wann zuletzt. Findest du dort Einträge, die du nicht kennst, weißt du, wie lange die Automatik schon lief.
Wer wissen will, wer ein Abo eingeschaltet hat: Googles Anleitung nennt dafür den Änderungsverlauf. Dort steht die Nutzer-ID, die die Empfehlung aktiviert hat. Betreut eine Agentur dein Konto, stell ihr die Frage: „Welche Empfehlungs-Abos sind aktiv, und wer hat sie gesetzt?”
Keine Kampagne gegen Google
Ich schreibe das nicht, weil ich Google die Empfehlungen madigmachen will. Einzelne sind brauchbar, und eine Vorschlagsliste ist nichts Schlechtes. In der PPC-Community wächst gerade das Unbehagen, dass Kampagnen sich zunehmend von selbst verändern. Mein Befund zeigt, woran das liegt: nicht an einem Angriff, sondern an einem Häkchen, das jemand irgendwann gesetzt hat und das niemand mehr sieht.
Prüfen und anwenden ist etwas anderes als automatisch übernehmen lassen. Bei der ersten Variante entscheidest du, bei der zweiten liest du später im Änderungsverlauf, was entschieden wurde.
Wer die Änderung nicht benennen kann, hat sie nicht beauftragt
Ein Konto gehört dem, der es verantwortet, auch wenn er die Automatik nie bewusst eingeschaltet hat. Setz dir einen festen Termin, etwa den Monatsanfang, und zähle die Häkchen. Steht dort eine Zahl, die du nicht erwartet hast, ist das der Anlass, nicht die Kritik an Google.
Wenn du das Konto lieber gemeinsam mit jemandem durchgehen willst, der solche Häkchen jede Woche sieht: schreib mir.