Du öffnest dein Google-Ads-Konto, scrollst durch die Kampagnenliste, und nirgends steht eine rote Zeile. Keine abgelehnte Anzeige, keine Richtlinienwarnung, kein Grund zur Sorge – und trotzdem sinkt die Reichweite seit Wochen. Diesen Zustand beschreibt eine Richtlinie, die Google 2026 über die gesamte Plattform zieht, und die in den meisten Konten bislang niemand auf dem Schirm hat.
56 Prozent weniger Reichweite, ohne eine einzige Ablehnung
Bei einem Konto mit rund drei Millionen US-Dollar Jahresbudget fielen die monatlichen Impressionen laut Search Engine Land von 800.000 auf 350.000 – ein Minus von 56 Prozent, über sieben Monate am Stück. Keine Anzeige wurde in dieser Zeit abgelehnt. Der Status hieß nicht “disapproved”, sondern “limited”, und selbst wenn dazu eine Mail kam, blieb der eigentliche Befund nur im Policy Manager des Kontos nachprüfbar. Das ist kein Einzelfall aus einem einzelnen Branchen-Blogbeitrag. Es ist die sichtbare Spitze einer Richtlinie namens Limited Ad Serving, die Google seit 2023 kennt und seit diesem Jahr in mehreren Schritten ausweitet.
- Monatliche Impressionen vorher
- 800.000
- Monatliche Impressionen nach sieben Monaten
- 350.000
Der Unterschied zwischen abgelehnt und eingeschränkt
Eine abgelehnte Anzeige bekommt einen Grund, eine Mail, einen Einspruchsweg direkt an der Anzeige. Limited Ad Serving arbeitet anders: Google begrenzt Impressionen von Anzeigen, um die Integrität des Google-Ads-Ökosystems zu schützen – auf Kontoebene, nicht auf Anzeigenebene. Die einzelne Anzeige läuft weiter, trägt im Anzeigenstatus aber den Zusatz “Eligible (limited)”. Sichtbar wird das nur, wer im Konto unter Tools und Einstellungen den Reiter Troubleshooting öffnet und dort den Policy Manager prüft, oder wer sich die Spalte “Policy details” in die Anzeigentabelle holt. Google zeigt dazu eine Benachrichtigung im Konto und verschickt meist, aber ohne Zusage, eine begleitende Mail – verbindlich ist am Ende nur der Blick in den Policy Manager.
Abgelehnt
- Bekommt einen Grund benannt.
- Bekommt eine Mail.
- Einspruchsweg direkt an der Anzeige.
Eingeschränkt (Limited Ad Serving)
- Läuft weiter, Status "Eligible (limited)".
- Betrifft das ganze Konto, nicht die einzelne Anzeige.
- Nur im Policy Manager nachprüfbar, eine Mail ist nicht garantiert.
Als unqualifiziert gilt ein Konto laut Google unter anderem dann, wenn Nutzerinnen und Nutzer persistent und überproportional gemeldet haben, dass Inhalt, Produkt oder Verhalten eines Werbetreibenden nicht ihren Erwartungen entsprechen – dazu kommen Kontoreife, Compliance-Historie, Branche und Verifizierungsstatus als Kriterien. Ursprünglich lief die Richtlinie seit 2023 nur auf Search und YouTube. Seit Juni 2026 greift sie breiter in der Google-Suche, und ab August 2026 weitet Google sie schrittweise bis 2028 auf Gmail, Play Store und Discover aus – auf die gesamte Plattform, nicht mehr auf einzelne Kanäle.
Für das monatliche Reporting ändert das die Fragestellung. Eine sinkende Klickrate oder ein steigender Klickpreis lässt sich normalerweise auf Gebotsstrategie, Saison oder Wettbewerb zurückführen – alles Stellschrauben, an denen du selbst drehst. Ein eingeschränktes Konto sieht in denselben Kennzahlen ähnlich aus, hat aber eine andere Ursache: nicht weniger Nachfrage, sondern weniger Auktionen, an denen deine Anzeige überhaupt teilnehmen darf. Wer nur Klickrate und Kosten pro Klick liest, verwechselt die beiden leicht.
Warum das für Tagungshäuser und Hotels mehr wiegt als anderswo
Zwei der von Google genannten Auslöser treffen ausgerechnet Hospitality-Konten überdurchschnittlich oft: generische Anzeigen ohne erkennbare eigene Marke, und Landingpages, die fremde Logos zeigen, ohne die Beziehung dazu klarzustellen. Beides ist im Hotelmarketing Alltag, nicht Ausnahme. Wer Kampagnentexte über mehrere Häuser hinweg nach demselben Muster fährt – “Zimmer buchen”, “Jetzt reservieren”, ohne den Hausnamen in der ersten Anzeigenzeile – liefert ein ambivalentes Markenbild, das Google als Risikosignal wertet. Dasselbe gilt für Buchungsstrecken mit Siegeln von Buchungsportalen, Bewertungsbadges oder Zahlungsanbieter-Logos, die ohne erklärenden Satz neben dem eigenen Logo stehen.
Dazu kommt die Kontoreife als eigenes Kriterium. Ein Tagungshaus, das eine Kampagne für zwei Wochen rund um eine Fachmesse schaltet, sieht für Googles Signale strukturell genauso aus wie ein neues, unerprobtes Konto – unabhängig davon, wie etabliert das Haus selbst ist. Wer Konkurrenzhäuser oder Veranstaltungsnamen als Keywords targetiert, ohne im Anzeigentext klarzustellen, dass es sich nicht um die eigene Marke handelt, verstärkt genau dieses Muster.
Ein weiterer Punkt, der im Hotelmarketing leicht übersehen wird: Agenturen, die viele Häuser parallel betreuen, arbeiten oft mit derselben Textvorlage über mehrere Konten hinweg – aus guten Gründen, es spart Zeit. Diese Wiederholung macht die einzelne Anzeige aber austauschbar, und Austauschbarkeit ist eines der Signale, die Google als unklares Markenbild liest. Ein Tagungshotel und ein Stadthotel derselben Kette brauchen deshalb eigene, am Hausnamen erkennbare Anzeigentexte, auch wenn die Struktur der Kampagne identisch bleibt.
Was du diese Woche im Konto prüfst
Konkret heißt das: Domain in der ersten Position deiner Anzeigenüberschriften pinnen, statt sie dem Zufall der automatischen Kombination zu überlassen. Den eigenen Hausnamen in Anzeigentext und auf der Landingpage sichtbar führen, nicht nur im Impressum. Fremde Logos – Buchungsportale, Bewertungssiegel, Zahlungsanbieter – nur mit einem Satz zeigen, der die Beziehung benennt. Kampagnen auf fremde Markennamen einzeln durchgehen: Steht im Anzeigentext klar, wer hier wirbt? Den Policy-Reiter regelmäßig auf abgelehnte Assets prüfen und die Zahl konsequent auf null halten. Und die Advertiser Verification abschließen, auch wenn Google sie im eigenen Konto noch nicht verlangt – sie ist einer der beiden Wege, über die ein Konto laut Google wieder als qualifiziert gilt.
Einen Einspruch über das Limited Ad Serving Appeals Form kannst du jederzeit einreichen. Nur bringt er ohne diese Vorarbeit wenig – Google prüft Konten automatisch und hebt die Beschränkung erst auf, wenn sich die Signale wirklich geändert haben, nicht wenn jemand einmal nachfragt. Trag dir den Check trotzdem als festen Termin ein, nicht als Reaktion auf einen Reichweiteneinbruch: Ein Blick pro Quartal in den Policy Manager kostet zehn Minuten, ein sieben Monate langer, unbemerkter Rückgang kostet ein Vielfaches davon.
Eine nicht abgelehnte Anzeige ist kein Gesundheitszeugnis mehr
Bislang reichte für die meisten Konten ein Blick: keine Ablehnung, also läuft’s. Genau diese Annahme trägt ab 2026 nicht mehr. Ein Konto kann vollständig richtlinienkonform aussehen und trotzdem Reichweite verlieren, weil ein zweiter, leiserer Status mitläuft, der sich nirgends von selbst meldet. Wer sein Konto nur auf Ablehnungen prüft, prüft die falsche Hälfte.
Das trifft besonders Häuser, die ihr Konto selbst verwalten und Google Ads nebenbei betreuen, neben Rezeption, Bankettplanung und allem anderen, was im Betrieb Vorrang hat. Dort fällt eine leise Drosselung erst auf, wenn ein Report sie zeigt – und ein Report, der nur Klicks und Kosten ausweist, zeigt sie gar nicht. Wenn du dein Konto seit Juni 2026 nicht auf den Policy-Manager-Status hin angesehen hast, ist das der nächste sinnvolle Blick – nicht erst, wenn die Reichweite es dir ohnehin zeigt.
KI-generiertes Bild