Ein Wellnesshotel kann die beste Website der Region haben und trotzdem im Local Pack auf Platz sieben stehen. Nicht weil die Texte schlecht sind. Sondern weil das Google-Unternehmensprofil seit zwei Jahren niemand angefasst hat und in drei regionalen Verzeichnissen noch die Telefonnummer von vor dem Umbau steht.
Lokales SEO ist kein Strategiethema, sondern Handwerk. Der Vorteil daran: Handwerk lässt sich abarbeiten.
Wie Google lokale Ergebnisse sortiert
Google beschreibt die lokale Rangfolge über drei Faktoren: Relevanz, Entfernung und Bekanntheit. Relevanz misst, wie gut ein Eintrag zur Suchanfrage passt. Entfernung meint die Distanz zwischen Suchendem und Betrieb. Bekanntheit bündelt, wie etabliert ein Unternehmen im Netz und außerhalb wahrgenommen wird. In diese drei Töpfe fließen über hundert Einzelsignale.
Die Entfernung kannst du nicht beeinflussen. Dein Hotel steht, wo es steht. Bleiben zwei Hebel, und beide sind Fleißarbeit.
An dieser Stelle eine Warnung zu den Zahlen, die in Local-SEO-Ratgebern kursieren. Der meistzitierte Wert lautet, 46 Prozent aller Google-Suchen hätten lokalen Bezug. Diese Zahl geht auf die Aussage eines Google-Mitarbeiters bei einer Konferenz im Jahr 2018 zurück und wurde seitdem nie aktualisiert. Sie wandert trotzdem seit Jahren durch Blogartikel, meist ohne Jahresangabe. Verlass dich auf die Mechanik der Rankingfaktoren, nicht auf gealterte Prozentwerte.
Das Unternehmensprofil trägt am meisten
In der jährlichen Umfrage von Whitespark zu lokalen Rankingfaktoren schätzen Local-SEO-Fachleute die Signale aus dem Google-Unternehmensprofil regelmäßig als die größte einzelne Faktorgruppe für Local Pack und Maps ein. Kein anderer Kanal bündelt so viel Rankingeinfluss an einer Stelle. Und keiner wird so oft vernachlässigt.
Das wichtigste Feld darin ist die Primärkategorie. Sie bestimmt, für welche Anfragetypen dein Profil überhaupt in Frage kommt. Ein Haus mit starkem Tagungsgeschäft, das als “Hotel” geführt wird, konkurriert mit jedem Stadthotel um Übernachtungsanfragen und taucht bei Tagungssuchen kaum auf. Diese Fehlzuordnung lässt sich durch nichts kompensieren, weder durch Bewertungen noch durch Fotos noch durch Beitragsfrequenz. Sekundärkategorien erweitern das Bild, ersetzen die Primärkategorie aber nicht.
Danach kommt der unspektakuläre Teil: Öffnungszeiten inklusive Sonderzeiten für Feiertage und Saisonpausen, Leistungsattribute wie Parkplatz, Barrierefreiheit oder Haustiere, aktuelle Fotos von Zimmern und Außenbereich, beantwortete Fragen im Q&A-Bereich.
Bei Bewertungen hat sich das Niveau verschoben. Eine Branchenauswertung von digital lokal weist für 2025 einen branchenübergreifenden Durchschnitt von 4,52 Sternen aus, nach 4,44 Sternen im Vorjahr. Praktisch heißt das: Ein Wert um 4,3, der vor drei Jahren solide wirkte, liegt heute unter dem Schnitt. Relevanter als der reine Sternewert sind ohnehin Aktualität und Antwortverhalten. Ein Profil mit regelmäßig neuen Bewertungen und beantworteten Kommentaren setzt sich gegen ein passives Profil mit gleicher Sternezahl durch.
NAP-Konsistenz ist die Arbeit, die keiner macht
NAP steht für Name, Address, Phone. Die Regel ist banal: Diese drei Angaben müssen überall identisch sein. Auf der eigenen Website, im Unternehmensprofil, auf Buchungsportalen, in Verzeichnissen des Tourismusverbands, in alten Brancheneinträgen, die niemand mehr im Blick hat.
Bei Hotels und Tourismusbetrieben gibt es dafür ein paar typische Bruchstellen. Der Betriebsname weicht vom Markennamen ab, weil im Impressum die GmbH steht und auf dem Schild der Hausname. Nach einem Betreiberwechsel existieren zwei Einträge parallel. Die Adresse wird mal mit ausgeschriebener Straße, mal mit “Str.” geführt. Nebenbetriebe wie Restaurant oder Spa haben eigene Einträge mit eigener Nummer.
Jede dieser Abweichungen macht es Suchmaschinen schwerer, alle Fundstellen demselben Betrieb zuzuordnen. Das ist kein dramatischer Ranking-Absturz, sondern ein schleichender Vertrauensverlust. Konsistente Einträge zählen laut den einschlägigen Faktorenerhebungen weiterhin zu den wichtigsten lokalen Signalen, besonders für Betriebe ohne starke Domain-Autorität.
Der Check dafür dauert einen Vormittag: Betriebsnamen und Telefonnummer in Anführungszeichen googeln, alle Fundstellen in eine Liste, abweichende Einträge korrigieren oder löschen lassen.
Lokale Entitäten statt Ortsnamen im Titel
Lokale Relevanz entsteht nicht dadurch, dass “Kufstein” fünfmal im Seitentitel steht. Sie entsteht durch inhaltliche Verankerung in der Region. Nenne die Berge, die man vom Haus aus sieht. Beschreibe die Anfahrt von den umliegenden Zentren. Verlinke auf den Tourismusverband, das Skigebiet, die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, und zwar in echtem Kontext statt in einer Linkliste im Footer.
Für Suchmaschinen und für KI-Modelle sind das Entitäten, also klar identifizierbare Dinge mit Beziehungen zueinander. Ein Betrieb, dessen Inhalte diese Beziehungen tatsächlich abbilden, wird als regionale Größe erkannt. Wer nur Ortsnamen in Überschriften stapelt, nicht.
Warum das die Grundlage für KI-Sichtbarkeit ist
KI-Antworten zu lokalen Fragen entstehen nicht aus dem Nichts. Sie ziehen aus denselben Quellen, die auch das Local Pack speisen: Unternehmensprofile, Bewertungsportale, Branchen- und Regionalverzeichnisse.
Der Unterschied liegt in der Anzahl der Plätze. Klassische organische Ergebnisse zeigen zehn Treffer, das Local Pack drei. Eine KI-Antwort auf eine lokale Frage nennt typischerweise nur zwei bis vier Betriebe namentlich. Whitespark hat seine Rankingfaktoren-Erhebung für 2026 erstmals um geschätzte Gewichtungen für KI-Sichtbarkeit erweitert. Die Branche behandelt das Thema also nicht mehr als Ausblick.
Wer bei den lokalen Grundlagen schlampt, fällt damit gleich zweimal durch. Genau das meinen wir, wenn wir sagen, dass gutes SEO die Voraussetzung für GEO ist und nicht dessen Gegenteil.
Der Check in sechs Punkten
Zum Abarbeiten, in dieser Reihenfolge:
- Primärkategorie prüfen. Beschreibt sie das Geschäft, mit dem du Geld verdienst, oder nur die Betriebsform?
- Öffnungszeiten und Sonderzeiten aktualisieren, inklusive Saisonpausen und Feiertagen.
- NAP-Audit fahren. Name und Telefonnummer googeln, alle Fundstellen listen, Abweichungen bereinigen.
- Bewertungsprozess aufsetzen. Ein fester Zeitpunkt zum Nachfragen, eine feste Zeit pro Woche zum Antworten.
- Regionale Verankerung im Content prüfen. Kommen Umgebung, Anfahrt und Nachbarorte inhaltlich vor oder nur als Keywords?
- Selbsttest machen. Such nach deiner Leistung plus Region im Inkognito-Fenster und stell dieselbe Frage einem KI-Assistenten. Vergleiche, wer genannt wird.
Ein Rechenbeispiel
Was das wert ist, lässt sich modellhaft durchrechnen. Die folgenden Zahlen sind angenommen und nicht bei einem Kunden gemessen, sie zeigen nur die Größenordnung.
Nimm ein Haus mit 30 Zimmern in einer Tourismusregion. Das Unternehmensprofil bringt heute 40 Anrufe im Monat. Nach der Kategorie-Korrektur, aktuellen Sonderzeiten und einem NAP-Audit über ein Dutzend Verzeichnisse sind es 55. Wenn jeder zehnte dieser zusätzlichen Anrufe zu einer Buchung über zwei Nächte zu 140 Euro führt, kommen im Jahr rund 18 Buchungen und etwa 5.000 Euro Direktumsatz zusammen. Dazu die Provision, die über ein Portal fällig geworden wäre, bei 15 Prozent also noch einmal rund 750 Euro.
Ob deine Zahlen so aussehen, weiß ich nicht. Setz deine eigenen Anrufe und Klicks ein, die stehen in den Statistiken deines Unternehmensprofils. Der Aufwand bleibt in jedem Fall derselbe: ein Vormittag für das Audit, danach eine Stunde pro Woche.
Was daraus folgt
Lokales SEO belohnt Betriebe, die dranbleiben, nicht die mit dem größten Budget. Die meisten Wettbewerber in Tourismusregionen pflegen ihr Unternehmensprofil sporadisch und ihre Verzeichniseinträge gar nicht. Genau darin liegt der Vorsprung, der ohne Agenturvertrag zu holen ist.
Wenn du wissen willst, wo dein Haus in lokalen Ergebnissen und in KI-Antworten aktuell steht: Wir schauen uns das in einem 30-Minuten-Gespräch an und benennen die drei Punkte, die bei dir zuerst dran wären.