“SEO ist tot” höre ich seit fünfzehn Jahren. Der Satz war noch nie richtig, und 2026 ist er es auch nicht. Was stimmt: Die Währung hat sich verschoben. Ein Ranking auf Position eins bringt heute weniger Besucher als vor zwei Jahren, und für ein Hotel bedeutet das etwas anderes als für einen Onlineshop.
Gleichzeitig macht die Gegenbewegung die Runde. KI-Optimierung schade der eigenen Website, heißt es dort. Auch das greift zu kurz. Wer beide Lager ernst nimmt und die Daten dahinter liest, landet bei drei ziemlich unspektakulären Hebeln.
Was von Hotel-SEO 2026 übrig ist
Google hat im Mai 2026 ein Core Update ausgerollt, gestartet am 21. Mai, abgeschlossen am 2. Juni. Es war das zweite bestätigte Core Update des Jahres, und Google hat wie üblich keine themenspezifische Anleitung dazu veröffentlicht, sondern auf die bestehenden Empfehlungen zu hilfreichen Inhalten verwiesen. Die Bewertungslogik bleibt also, wo sie war.
Verändert hat sich, was zwischen Ranking und Klick passiert. SISTRIX weist für Deutschland aus, dass bei rund 20 Prozent aller Suchanfragen eine AI Overview erscheint. Ahrefs hat im April 2025 gemessen, dass die Klickrate der Position eins bei Anfragen mit AI Overview um 34,5 Prozent niedriger liegt als ohne. Eine Auswertung von Seer Interactive über 53 Marken und rund 5,5 Millionen Suchanfragen zeigt allerdings auch eine Gegenbewegung: Die Klickrate aus AI Overviews heraus stieg zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 von 1,3 auf 2,4 Prozent.
Unterm Strich verteilt sich der Traffic um, er verschwindet nicht. Du bekommst pro Ranking weniger Besuche, und wer trotzdem kommt, weiß meist schon, was er sucht. Wer seine Sichtbarkeit weiterhin in Sessions misst, sieht darin ein Drama.
Die Warnung, die gerade die Runde macht
Ende Juni hat Frank Puscher bei Meedia einen Text veröffentlicht, der in der Branche viel weitergereicht wurde: GEO-Optimierung könne zuerst der Website schaden und dann dem Geschäftsmodell. Sein Argument stützt sich auf eine Analyse von Lily Ray zu hundert B2B-Suchanfragen. Ergebnis dort: In 69 Prozent der Fälle zitierte Google die Inhalte eines Unternehmens als Quelle, empfahl im Antworttext aber einen Wettbewerber. Nur in einer Minderheit der übrigen Fälle wurde das zitierte Unternehmen selbst empfohlen.
Der Kern daran ist richtig und wird zu selten ausgesprochen. Zitiert werden und empfohlen werden sind zwei verschiedene Dinge. Wer seine Inhalte ausschließlich maschinenlesbar macht, liefert Rohstoff und bekommt dafür eine Fußnote.
Für Hotels liegt der Fall trotzdem anders als in Puschers Beispiel. Seine Analyse betrifft B2B-Vergleichsinhalte, also genau die Kategorie, in der zwanzig Anbieter dasselbe behaupten und ein Modell irgendeinen davon greifen muss. Ein Hotel ist keine austauschbare Software-Kategorie. Es ist eine Entität mit Adresse, Bewertungen, Bildern und einer Region. Dein Problem ist damit nicht die Verwechslung mit einem Wettbewerber, sondern die Frage, ob ein Modell dein Haus überhaupt kennt.
Was die Daten über strukturierte Daten sagen
Für alle, die Schema-Markup als Abkürzung verkaufen, wird es jetzt unangenehm. Eine 2026 auf SSRN veröffentlichte Untersuchung von Kurt Fischman hat 730 KI-Zitationen aus ChatGPT und Gemini über 75 kommerzielle Suchanfragen ausgewertet. Ein positiver Effekt von Schema-Markup auf die Zitationswahrscheinlichkeit ließ sich darin nicht belegen. Übrig blieb als Haupttreiber die organische Ranking-Position.
Übersetzt heißt das: Strukturierte Daten sind Hygiene, kein Hebel. Sie helfen Maschinen beim Einordnen, aber sie ersetzen nicht den Grund, warum ein Modell dich nennen sollte. Dieser Grund heißt weiterhin Ranking, Bewertungen und inhaltliche Substanz.
Genau deshalb halte ich die These, dass gutes SEO die Voraussetzung für GEO ist, auch nach dieser Studie für richtig. Sie stützt sie sogar.
Drei Hebel, die bei Hotels noch wirken
Die Seiten ernst nehmen, auf denen gebucht wird
Die meisten Hotel-Websites stecken ihre Sorgfalt in die Startseite und behandeln Zimmer-, Tagungs- und Angebotsseiten als Datenbankausgabe. Das ist die falsche Reihenfolge. Über die Startseite kommt, wer den Namen schon kennt. Über die Unterseiten kommt, wer noch sucht.
Jede dieser Seiten braucht einen eigenen Titel, einen eigenen ersten Absatz und eine Antwort darauf, für wen sie gedacht ist. Eine Tagungsseite, die “moderne Räumlichkeiten in stilvollem Ambiente” verspricht, beantwortet keine Suchanfrage. Eine, die Raumgrößen, Bestuhlungsvarianten und Anfahrtszeiten nennt, tut es.
Lokale Verankerung statt Ortsname in der Überschrift
Regionale Relevanz entsteht nicht dadurch, dass der Ortsname fünfmal im Titel steht. Sie entsteht durch inhaltliche Beziehungen: die Berge, die man vom Haus aus sieht, die Anfahrt von den umliegenden Zentren, das Skigebiet nebenan, der Tourismusverband, die Nachbarorte.
Für Suchmaschinen wie für Sprachmodelle sind das Entitäten, also klar identifizierbare Dinge mit Beziehungen zueinander. Ein Haus, dessen Inhalte diese Beziehungen tatsächlich abbilden, wird als regionale Größe erkannt. Ein Haus, das Ortsnamen stapelt, nicht.
Substanz, die nicht jeder auch schreiben könnte
An dieser Stelle greift Puschers Warnung tatsächlich. Wenn du deine Inhalte auf FAQ-Blöcke und Aufzählungen eindampfst, weil das angeblich KI-freundlich ist, machst du dich austauschbar. Ein Modell nimmt die Fakten und nennt jemand anderen.
Nicht austauschbar sind eigene Zahlen und eine Position, für die jemand geradesteht. Ein Tagungshotel, das offen schreibt, für welche Gruppengrößen es nicht der richtige Ort ist, wird häufiger empfohlen als eines, das für alles geeignet sein will.
Woran du merkst, ob es funktioniert
Der Reflex ist, im Analytics-Tool auf organische Sessions zu schauen. Dieser Wert wird in vielen Häusern sinken, ohne dass etwas kaputt ist. Tripadvisor hat im Februar 2026 offen berichtet, dass AI Overviews den eigenen Traffic drücken, und das ist eine der reichweitenstärksten Reise-Domains überhaupt.
Aussagekräftiger sind andere Werte. Impressionen in der Search Console statt Klicks, weil sie zeigen, ob du überhaupt noch in Erwägung gezogen wirst. Die Entwicklung der Markensuchen nach deinem Hausnamen, weil sie Erwähnungen einfängt, die keinen Link hinterlassen. Und der Anteil der Direktbuchungen, weil er deine Marge bestimmt.
Dazu einmal im Quartal der einfachste Test, den es gibt. Stell einem KI-Assistenten die Frage, die dein Wunschgast stellen würde. Also nicht deinen Hausnamen, sondern “Wellnesshotel in Tirol mit Hallenbad für ein verlängertes Wochenende”. Schreib auf, wer genannt wird, und vergleiche das mit dem, was Google im selben Moment ausspielt.
Ein Rechenbeispiel
Nimm ein Haus mit 60 Zimmern, 65 Prozent Jahresauslastung und 140 Euro Durchschnittsrate. Das ergibt rund zwei Millionen Euro Zimmerumsatz im Jahr. Kommen davon 55 Prozent über OTAs und werden dort im Schnitt 15 Prozent Provision fällig, gehen etwa 165.000 Euro an die Portale. Verschiebst du fünf Prozentpunkte auf die Direktbuchung, bleiben rund 15.000 Euro im Haus, bei gleicher Belegung. Die Zahlen sind gerechnet und nicht gemessen, deine sehen anders aus. Der Hebel bleibt derselbe: Diese 15.000 Euro tauchen in keinem Sessions-Chart auf, sondern in der Buchungsstatistik.
Was daraus folgt
SEO für Hotels ist 2026 langweiliger geworden und gleichzeitig wichtiger. Die Abkürzungen funktionieren nicht mehr, weder die alten noch die neuen. Übrig bleibt Technik, die trägt, echte Verankerung in der Region und Inhalte, die jemand mit Ahnung geschrieben hat.
Wer das hat, wird von Google gefunden und von Sprachmodellen genannt. Wem es fehlt, dem hilft auch keine GEO-Beratung. Wie das im Zusammenspiel aussieht, haben wir im Überblick zu Hotel-Performance-Marketing beschrieben.
Wenn du wissen willst, wo dein Haus in beiden Welten gerade steht: Wir schauen uns das in einem 30-Minuten-Gespräch an und benennen die drei Punkte, die bei dir zuerst dran wären.