Seit dem 24. August 2026 laufen Anzeigen in ChatGPT auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seit Anfang September kannst du sie im Ads Manager selbst buchen, ohne Agentur dazwischen, ab 15 Euro Tagesbudget je Kampagne. Aus „kommt das zu uns“ ist damit eine andere Frage geworden.
Die Frage, die ich seitdem von Hoteliers höre, ist immer dieselbe: Müssen wir da rein? Meine Antwort ist unbequem, nur diesmal aus dem entgegengesetzten Grund wie noch vor vier Wochen. Du kannst jetzt rein. Und dort wartet nicht die leere Fläche, die dir gerade verkauft wird.
Was ChatGPT Ads inzwischen geworden ist
ChatGPT Ads ist das Anzeigenprodukt von OpenAI. Die Anzeigen stehen unterhalb der generierten Antwort, sind als gesponsert gekennzeichnet und verändern die Antwort selbst nicht. Laut OpenAIs eigener Hilfeseite zu Ads in ChatGPT laufen Werbung und Chat-Modell auf getrennten Systemen. Ausgespielt werden sie an eingeloggte Nutzer in den kostenlosen und günstigen Tarifen, nicht an unter 18-Jährige. Wer für Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu zahlt, sieht keine Werbung.
Im Juli kam der Sprung, der aus einem Test ein Werkzeug macht. Dazu gehören Kampagnen mit Conversion-Ziel, bei denen das System auf Klicks optimiert, die eher zu einem Abschluss führen. Dazu gehören geografische Ausschlüsse, eine Schnittstelle für Massenanlage von Kampagnen, Anbindungen an Mobile-Tracking-Anbieter und ein Anzeigenformat mit Preis und Sternebewertung. Budgets werden nicht mehr streng täglich, sondern im Wochendurchschnitt geführt.
Die Preisentwicklung erzählt dieselbe Geschichte. Im Februar brauchte man für den Einstieg einen Scheck über 200.000 Dollar, im April waren es 50.000, seit dem Start der Self-Serve-Oberfläche im Mai fällt die pauschale Einstiegshürde weg. Ganz ohne Untergrenze ist der Kanal trotzdem nicht: Im Ads Manager, den wir am 25.09.2026 im eigenen Konto geprüft haben, verlangt eine Kampagne 15 Euro Tagesbudget und insgesamt mindestens 65 Euro. Wer „kein Mindestbudget“ liest, liest eine frühere Phase. Empfohlenes Startgebot: drei bis fünf Dollar pro Klick.
- Mindestbudget Februar 2026
- 200.000 US-Dollar
- Mindestbudget April 2026
- 50.000 US-Dollar
Das ist die Kurve, die jede Werbeplattform am Anfang nimmt. Erst Konzernbudgets, dann Agenturen, dann alle. Wer Google Ads Mitte der 2000er erlebt hat, kennt diesen Verlauf. Nur läuft er diesmal in Monaten statt in Jahren ab.
Was sich seit dem 24. August geändert hat
Bis Ende August lief das Werbeprodukt nur in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien und Neuseeland, dazu in Japan, Südkorea, Brasilien und Mexiko. Dann kam der Sprung auf einmal: seit dem 24. August 2026 sehen Nutzer in Deutschland und 30 weiteren europäischen Märkten Anzeigen in ChatGPT, darunter Österreich und die Schweiz. Seit Anfang September ist die Buchung im Ads Manager auch im Selfservice offen. Kein Agentur-Umweg mehr, Tagesmindestbudget 15 Euro je Kampagne. Als Grund für die vorherige Verzögerung wurde durchgehend die europäische Datenschutzlage genannt; in der EU starten Anzeigen deshalb ohne Personalisierung.
Für dein Haus in Kufstein, im Inntal oder irgendwo sonst im DACH-Raum heißt das: Der Test, den du vor vier Wochen noch nicht fahren konntest, ist jetzt ein Konto und ein erster Betrag entfernt.
Was es nicht gibt, ist eine DACH-spezifische Auswertung, wer diese neuen Plätze bereits füllt. Die einzigen belastbaren Zahlen zur Verteilung stammen aus dem US-Markt, der seit Ende März läuft. Bevor du dort einsteigst, lohnt sich der Blick auf diese Zahlen: Sie zeigen, wer sich sechs Monate Vorsprung erarbeitet hat.
Die eine Zahl, die für Hotels zählt
In den USA laufen Hotelanzeigen seit Ende März. Eine Auswertung der ausgespielten Anzeigenplätze zeigt ein Bild, das jeder Hotelier sofort erkennt: Booking.com hält rund 43 Prozent der Slots, Airbnb gut 21, Expedia knapp 18. Zusammen mit Priceline und trivago kommen fünf Portale auf etwa 88 Prozent aller Hotelanzeigen.
- Booking.com
- rund 43 %
- Airbnb
- gut 21 %
- Expedia
- knapp 18 %
Hotelmarken tauchen in dieser Auswertung fast nicht auf. Preferred Hotels & Resorts mit gut acht Prozent, Barceló und Marriott mit jeweils unter zwei. Das war es.
Was hier als neue Werbefläche verkauft wird, ist die alte Provisionsschlacht auf einer neuen Oberfläche. Die Portale haben sie besetzt, bevor der Rest der Branche überhaupt aufgewacht ist.
Erschwerend kommt die Form dazu. In der klassischen Suche gibt es zehn organische Treffer, dazu Anzeigen, dazu Karten. Platz für viele. Eine KI-Antwort nennt drei, vier, vielleicht fünf Optionen. Wer dort nicht vorkommt, existiert für diesen Gast in diesem Moment nicht. Die Fläche schrumpft, während die Zahl der Bewerber gleich bleibt.
Das eigentliche Fenster liegt über der Anzeige
Jetzt der Teil, den in der ganzen Aufregung um Gebote und CPCs kaum jemand ausspricht: Die Anzeige sitzt unter der Antwort. Die Antwort selbst ist noch unbezahlt.
Wenn ChatGPT auf die Frage nach einem Tagungshotel im Inntal drei Häuser nennt, dann nicht, weil eines davon geboten hat. Sondern weil das Modell aus dem, was es über diese Häuser findet, eine Empfehlung baut. Diese Position kostet gerade null Euro Mediabudget. Sie kostet Arbeit.
KI-generiertes Bild
Das ist der Grund, warum ich seit Monaten dieselbe These vertrete: Gutes SEO ist keine Alternative zu KI-Sichtbarkeit, sondern ihre Voraussetzung. Sprachmodelle erfinden keine Hotels. Sie ziehen aus Quellen, die es schon gibt, und bevorzugen dabei Angaben, die überall dasselbe sagen. Wer heute dort korrekt und vollständig steht, wird morgen zitiert und muss sich diesen Platz später nicht mit drei Dollar pro Klick zurückkaufen.
Was du jetzt konkret machst
Erstens: Tracking in Ordnung bringen, und zwar diese Woche, nicht irgendwann. Der Kanal ist da. Wenn du jetzt ein Konto eröffnest und nicht sauber zwischen Anfrage, Anruf und echter Buchung unterscheidest, weißt du in vier Wochen immer noch nicht, ob der erste Test funktioniert hat.
Zweitens: nachsehen, ob KI-Traffic schon ankommt. In den meisten Hotel-Analytics-Konten läuft er unerkannt mit, weil niemand ihn als eigene Quelle ausgewiesen hat. Das ist eine Einstellungssache und dauert einen Nachmittag. Danach hast du eine Baseline, gegen die du deinen ersten bezahlten Test messen kannst.
Drittens: an der Sichtbarkeit in der Antwort arbeiten. Also strukturierte, eindeutige Inhalte über dein Haus, gepflegte Angaben überall dort, wo Modelle zitieren, und klare Antworten auf die Fragen, die Gäste tatsächlich stellen. Das ist unspektakuläre Arbeit ohne sofortige Kurve nach oben. Sie zahlt jetzt schon auf denselben Auftritt ein, den eine Anzeige später verstärkt.
Viertens: die Budgetfrage ehrlich rechnen, jetzt, wo sie real ist. 15 Euro Tagesmindestbudget klingen nach wenig. Im selben Auktionsraum wie Booking auf breite Reisesuchen zu bieten, ist trotzdem verlorenes Geld. Dein Platz liegt dort, wo ein Portal nicht mithalten kann: enge Anfragen mit klarer Absicht, Tagungen, Anlässe, Region. Dieselbe Logik, die schon bei Google Ads funktioniert. Was der Ads Manager beim Anlegen sonst noch vorbelegt und verlangt, haben wir im eigenen Konto nachgesehen und auf der Seite ChatGPT Ads für Hotels aufgeschrieben.
Fünftens: die Entscheidung, ob du deine Anzeige aus bestimmten Gesprächskontexten heraushältst, ist in den USA gerade in Erprobung. OpenAI testet dort seit Ende August Exclusion Targeting. Werbetreibende können Chat-Kontexte ausschließen, in denen ihre Anzeige nicht auftauchen soll. Für DACH ist das noch nicht bestätigt. Beobachten, nicht einplanen.
Was die Zahlen heute hergeben
Belastbare Zahlen gibt es dazu inzwischen, nur eben nicht aus einzelnen Häusern. Lighthouse misst über ein Netz von rund 80.000 Hotels, dass KI-Verweise knapp unter einem Prozent der Besuche auf Hotelwebsites ausmachen, und dieser Wert ist innerhalb weniger Wochen um mehr als die Hälfte gestiegen, nachdem ChatGPT anfing, deutlich mehr ausgehende Links in seine Antworten zu setzen. Adobe Digital Insights meldet für US-Reiseseiten im Mai 2026 ein Plus von 194 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Interessanter als das Wachstum ist, wie sich diese Besucher verhalten: Sie bleiben laut Adobe rund 70 Prozent länger auf der Seite und springen deutlich seltener sofort wieder ab, buchen aber immer noch etwa 28 Prozent seltener als Traffic aus klassischen Quellen.
Das Muster hinter diesen Zahlen ist überall dasselbe: Der Anteil ist noch klein, aber er ist nicht null, und er wächst nicht gleichmäßig. Wer hier auf Beobachten setzt, sollte sich einen Termin dafür in den Kalender legen. Sonst heißt Beobachten am Ende nur Nichtstun mit besserem Namen.
Drei Fragen, die dir kein Praxistest abnimmt
Erste Agenturen kündigen Praxistests für Hotels an, Ergebnisse liegen dort noch nicht vor, der Kanal ist erst wenige Wochen alt. Wer jetzt bucht, testet also ohne Vergleichswerte. Bevor du das erste Budget freigibst, solltest du drei Fragen schriftlich beantworten können.
Wer sieht die Anzeige? Nur eingeloggte Nutzer der Tarife Free und Go, wie oben nach OpenAIs Hilfeseite beschrieben. Dazu läuft die Werbung im EWR und in der Schweiz ohne personalisierte Ausspielung. In unserem eigenen Konto haben wir am 25.09.2026 keine Zielgruppen und kein Remarketing gefunden. Ein Tagungsplaner mit Firmen-Abo sieht deine Anzeige also nicht. Du erreichst einen Ausschnitt deiner Gäste und weißt nicht, welchen. Was sie eingetippt haben, siehst du auch nicht: Einen Suchanfragenbericht wie bei Google gibt es laut PA Digital nicht.
Was wird gezählt? Zwei verschiedene Dinge. Laut der OpenAI-Dokumentation zum Messpixel weist der Ads Manager Abschlüsse nach einem Klick aus. Abschlüsse nach bloßem Sehen der Anzeige laufen mit festem Ein-Tages-Fenster als eigene Kennzahl daneben und stecken nicht in der Abschlusszahl. Klickpreis je Abschluss, Abrechnung und Optimierung bleiben klickbasiert. Diese zwei Zahlen darfst du nicht addieren.
Dazu kommt dein eigenes Analytics. In unserer Property standen für ChatGPT bis zum 25.09. null Sitzungen. Ohne UTM-Markierung, also ohne Kennzeichnung in der Link-Adresse, landet der Verkehr unter „direkt“. Dann hast du zwei Zählwerke, die du nicht abgleichen kannst. Laut derselben Dokumentation steht das Pixel außerdem standardmäßig auf „Einwilligung erteilt“, solange du es nicht selbst auf false setzt. Verlangt deine Cookie-Abfrage eine Zustimmung, musst du das Pixel daran anbinden.
Liegt deine Buchungsstrecke auf der Domain eines Softwareanbieters, sieht das Pixel den Abschluss nur, wenn du es dort einbauen darfst. Sonst zeigt der Bericht null Buchungen, obwohl Gäste gebucht haben. Frag deinen Anbieter, bevor du buchst.
Schau dir außerdem an, was das Pixel mitnimmt. Es erkennt Formulare auf deiner Seite, liest die Eingaben aus und schickt sie gehasht an OpenAI. In einem Hotelformular sind das Name, Mailadresse und oft das Anreisedatum. Einen Schalter, um das abzustellen, haben wir in unserem Konto am 27.09.2026 nicht gefunden. Wir messen unseren eigenen Test deshalb ohne Pixel: Die Website meldet eine Anfrage über die Conversions API von OpenAI direkt vom Server, und zwar erst, wenn die Anfrage tatsächlich verschickt wurde. Damit die Meldung der Anzeige zugeordnet wird, gibt das Formular den Klick-Parameter mit, den ChatGPT an die Link-Adresse hängt. Am 28.09.2026 kam unsere erste Testanfrage so im Ads Manager an. Die offizielle Vorlage für den Google Tag Manager heißt „OpenAI Ads Measurement Pixel“ und lädt genau dieses Pixel.
Was wird bezahlt? Je nach Kampagnenziel Einblendungen oder Klicks, so steht es in der Bidding-Dokumentation von OpenAI. Auch eine Kampagne mit Conversion-Ziel rechnet pro Klick ab, das Ziel steuert die Optimierung, nicht den Preis. Ein Rechenbeispiel für eine Klick-Kampagne: Bei 65 Euro Kampagnenbudget und Klickpreisen im Bereich der empfohlenen drei bis fünf Dollar kaufst du grob 15 bis 25 Klicks. Kommt daraus eine Anfrage, ist das ein Zufall und keine Kennzahl. Wer aus einem solchen Test „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“ liest, liest Rauschen.
Schreib die drei Antworten auf, bevor du buchst, sonst kannst du deinen ersten Test hinterher nicht auswerten.
Die Fläche ist offen, besetzt ist sie trotzdem
ChatGPT Ads ist für Hotels jetzt relevant, nicht mehr absehbar. Wer jetzt in Aktionismus verfällt und ohne Tracking ein Konto eröffnet, weiß in einem Monat trotzdem nicht mehr als vorher. Wer jetzt gar nichts tut, tritt in einen Auktionsraum, in dem die Portale seit sechs Monaten sitzen und ihre Daten kennen — und dieser Rückstand wächst mit jeder Woche, die du wartest.
Der Weg dazwischen ist unspektakulär und der einzige, der funktioniert: die eigene Sichtbarkeit in der Antwort aufbauen, solange organische Präsenz dort noch nichts kostet, und den ersten bezahlten Test klein und messbar starten. Das Fenster ist offen, aber es steht nicht still. Jede Woche, die du mit Zusehen verbringst, bucht ein Portal für sich.
Wenn du wissen willst, wie sichtbar dein Haus in KI-Antworten heute tatsächlich ist und ob dein Tracking den Traffic überhaupt erfassen würde, schauen wir einmal gemeinsam drauf. Eine halbe Stunde, deine echten Zahlen, keine Präsentation.